Seelsorgeeinheit

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“1 Petr 2,5

Geschätzte Leserinnen und Leser

«Du bist vertraut mit all meinen Wegen.» Psalm 139,3

Das Gehen gehört zu unserem täglichen Leben. Nicht (mehr) gehen zu können, ist eine empfindliche Einschränkung unserer Mobilität. Es gehört zum Menschen, vorwärts zu gehen, Neues zu entdecken, neue Wege zu beschreiten. Schon das Kleinkind versucht nach ersten Krabbel- oder Rollversuchen, sich aufzuziehen, sich auf seine Beine zu stellen und die ersten Schritte zu wagen. Der Horizont erweitert sich und die Welt wird grösser.

Im Zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er-Jahren prägten die Konzilsväter ein neues Bild der Kirche: Sie sprachen von einem pilgernden Volk, das auf seinem Weg mit Gott unterwegs ist. Schauen wir in die Bibel, dann finden wir viele Beispiele für Menschen, die unterwegs waren: Abraham machte sich mit seiner ganzen Familie auf den Weg in das unbekannte, von Gott verheissene Land, um das Volk Israel zu begründen. Dieses wiederum, befreit aus der Sklaverei in Ägypten, war 40 Jahre unterwegs in der Wüste, bis es endlich das verheissene Land betreten konnte. Jesus selber war die letzten drei Jahre seines Lebens unterwegs von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, um den Menschen zu begegnen, um zu wirken und vom Reich Gottes zu erzählen.

Auch wir sind unterwegs in unserem Leben. Wir gehen vorwärts, wir entwickeln und verändern uns. Steinige oder steile Wegstücke fordern heraus, Ruheplätze laden ein zum Ausruhen. Wir haben verschiedene Weggefährten, es gibt solche, die an Gabelungen andere Wege nehmen.

Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir nie allein unterwegs sein müssen. Uns ist der Zuspruch gewiss, dass da einer ist, der mit uns geht, mit uns Schweres durchsteht, sich mit uns freut und unseren Weg segnet.

So heisst es im Psalm 139,1-3:
Herr, du hast mich erforscht und kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. Du durchschaust meine Gedanken von fern.
Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. Du bist vertraut mit all meinen Wegen.

Von Herzen wünsche ich Ihnen in diesem Sommer die Erfahrung des Unterwegsseins und sich Getragen-Wissens.

Renate von Rotz, pastorale Mitarbeiterin