Seelsorgeeinheit

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“1 Petr 2,5

Liebe Mitchristen

Wenn wir nach christlicher Orientierung für’s Leben fragen, ist es vor allem die Gestalt Jesu von Nazaret selbst, in dem sich gleichsam ein neuer Raum für Begegnung eröffnet. Jesu biblisches Fragen „Was willst du, dass ich dir tue?“ (vgl. Mk 10,51) ist die Frage nach den wirklichen, echten Bedürfnissen der Menschen, denen er begegnet.
Jesu aufmerksame Präsenz in der jeweiligen Wirklichkeit der Situationen bringt zunächst eine Bestandsaufnahme der Bedürfnisse des anderen ins Gespräch. In Jesu Gegenwart wird sich der jeweilige Mensch, ein Stück mehr‘ seiner selbst bewusst. Jesus von Nazaret lässt in seiner Gesprächskultur durch sein Hören, Fragen, Gefragt-werden und Antworten Tag und Nacht (z.B. Joh 3, 1ff.) den Menschen Raum und Zeit zukommen, damit in ihren Lebenssituationen eine gewisse „Selbst- und Sinnreflektion“ in Bewegung kommen kann. In seiner Art der Wegbegleitung (vgl. Lk 24, 13 ff.) bleibt Jesus mit den Menschen auf dem Weg, bis wiederum ein neuer Blickwinkel für die Sinnhaftigkeit der Wirklichkeit entstanden ist.
Jesuanische Begegnungsphilosophie lässt das Du dabei aufatmen – gerade da es seiner, ganzen Wirklichkeit‘ mit Stärken und Schwächen, mit allem Suchen und aller Unperfektheit bewusster wird, kann neue Lebenskraft entstehen (vgl. Joh 4,7 ff.).
Bei diesem Gesprächspartner lässt sich aufatmen, er gibt den Raum dazu – so wird das Empfinden wach, angekommen zu sein, angenommen zu sein. Jesus bringt dies im Matthäus-Evangelium (nach der Übersetzung Fridolin Stiers) mit folgenden Worten zum Ausdruck: „Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten: Ich werde euch aufatmen lassen. Mein Joch nehmt auf euch und lernt von mir. Denn: Sanft bin ich und von Herzen niedrig, und ihr werdet Aufatmen finden für euer Leben.“ (Mt 11,28-29)
Sich von der begegnungsoffenen Haltung Jesu inspirieren zu lassen, kann zu ehrlichen Begegnungen mit Menschen führen, die wir noch nicht oder viel zu wenig kannten, so dass neue Möglichkeiten entstehen – auch für die Zukunft von Kirche. – Uns allen wünsche ich bestärkende und hin und wieder überraschende, sommerliche Begegnungen!

Andreas Barth