Wiborada-Jahr 2026 – Mut ist geschlechterunabhängig

2026 steht St. Gallen ganz im Zeichen einer Frau, deren Leben bis heute Kraft ausstrahlt: Wiborada. Im 10. Jahrhundert wählte sie bewusst einen Weg, der Mut, Glauben und klare Haltung verlangte.

Als Inklusin liess sie sich an der Kirche St. Mangen einschliessen – in eine kleine Zelle ohne Tür, aber mit zwei Fenstern: eines zum Gottesdienst, eines zur Stadt. So blieb sie zugleich zurückgezogen und mitten unter den Menschen: Mönche, Adelige und einfache Bürgerinnen und Bürger. Sie suchten bei ihr Orientierung, Trost und geistliche Begleitung. So wurde sie zur «Lebensberaterin» ihrer Zeit, mit Weitblick und Mitgefühl. Als sich Unruhe und Gewalt über dem Land zusammenzogen, deutete Wiborada die drohende Gefahr und warnte vor dem herannahenden Ungarneinfall. Ihre Stimme fand Gehör und wertvolle Handschriften konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Sie selbst blieb ihrem Gelübde in der Zelle treu und wurde 926 zur Märtyrerin. Ihr Mut und ihr tiefer Glaube erreichten auch den Papst, der Wiborada im Jahr 1047 zur ersten heiliggesprochenen Frau weltweit machte.

Heute lädt das Wiborada-Jubiläum dazu ein, ihre geistliche Kraft neu zu entdecken. In der nachgebauten Zelle bei St. Mangen konnten sich in den letzten Jahren Menschen jeweils für eine Woche einschliessen lassen. Im Jubiläumsjahr soll kein Tag vergehen, an dem die Zelle leer bleibt. Jeder kann sich für ein solches eintägiges Experiment aus Stille, Gebet und Begegnung am Fenster melden.

Auch unsere Seelsorgeeinheit greift Wiboradas Vermächtnis auf: Über das Kirchenjahr verteilt gestalten wir eine Frauenpredigtreihe, in der vier Frauen aus unserem Bistum bei uns im Gottesdienst zu Gast sein werden. Ihre Stimmen führen weiter, was Wiborada lebte – klare Haltung, tiefer Glaube und ein Mut, der weit über die Zeiten hinausweist.
Samstag, 7., und Sonntag, 8. März (Predigerin: Barbara Walser)
Samstag, 6., und Sonntag, 7. Juni (Predigerin: Christiane Schubert)
Samstag, 22., und Sonntag, 23. August (Predigerin: Anna Maria Frei-Braun)
Samstag, 7., und Sonntag, 8. November (Predigerin: Hildegard Aepli)
Am diesjährigen Seelsorgeeinheitsfest am Sonntag, 6. September, in Ricken dürfen wir eine Statue der heiligen Wiborada betrachten, die Det Blumberg aus St. Peterzell gefertigt hat. Wiborada zeigt: Mut und Spiritualität, Verantwortung und Glaube sind keine Frage des Geschlechts, sondern einer inneren Entscheidung. Sie bleibt eine, die inspiriert – gestern, heute und morgen.
Lernen wir gemeinsam unsere Bistumspatronin kennen!

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