Seelsorgeeinheit

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“1 Petr 2,5

Zum Geleit

Alles beginnt mit der Sehnsucht

Immer ist im Herzen Raum für mehr,
für Schöneres und Größeres.
Immerfort sich hinstrecken auf ein Kommendes –
das ist des Menschen Größe und Not.

Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft
und Liebe.
Und wo Sehnsucht sich erfüllt,
dort bricht sie noch stärker auf:
dass es so bleibe, dass es nicht vorübergehe.

Fing nicht auch die Menschwerdung, Gott
mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?

So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen,
dich zu suchen,
und lass sie damit enden,
dich gefunden zu haben. (Nelly Sachs)

Alles beginnt mit der Sehnsucht …
schreibt die Lyrikerin Nelly Sachs. Ich glaube, dass diese Sehnsucht in jedem Menschen vorhanden ist. Ja, die Sehnsucht ist der Boden jeder Menschwerdung. Wir haben vor einer Woche gefeiert, dass Gott Mensch geworden ist. Vielleicht etwas anders als in anderen Jahren, aber wir haben sie gefeiert. Christi Geburt hat ein neues Zeitalter eingeläutet. Gott, der in diese Welt gekommen ist, um uns Menschen nahe zu sein, bringt uns diese Zusage. Die Menschen müssen fortan nicht mehr einen Gott anrufen, der weit weg ist. Durch Gottes Kommen in die Welt hat der Mensch einen ganz neuen Zugang zu ihm. Dabei hat jeder Mensch die Freiheit auf diese Zusage zu antworten.
Ich hoffe, dass Ihre Sehnsucht weit und offen ist. Es ist hilfreich, wenn ich dafür Worte finde und sie zu fassen suche. Im Bewusstsein, dass diese Worte immer vorläufig sind und ich eine Offenheit behalte, dass sich das ändern kann.
Ein Pfarreimitglied hat einmal gesagt: „Menschen haben keine Zeit mehr für die Sehnsucht. Sie rennen immer anderen Dingen nach in der Angst etwas zu verpassen.“ Das neue Jahr 2021 bietet uns 365 Tage nachzuspüren und zu entdecken, wo unsere Sehnsüchte wirklich sind.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute und Gottes Segen für das neue Jahr.

Andreas Schönenberger, Pfarrer