Seelsorgeeinheit

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“1 Petr 2,5

Liebe Leserinnen und Leser

Anfang April hat für alle Pastoralteams im Bistum St. Gallen eine Fachtagung in Jona stattgefunden. Sie trug den etwas komplizierten Titel ‚Fachtagung zur synodalen und hierarchischen Verfasstheit der Kirche – unter dem besonderen Augenmerk auf das Miteinander der pastoralen Dienste’.

Im ersten Teil ging es um die gegenseitige Wahrnehmung der einzelnen kirchlichen Berufsgruppen und später um die konstruktive Zusammenarbeit derer.

Ein Schwerpunkt, der im Laufe des Tages immer wieder aufleuchtete, war die Bewusstmachung des Wirkens göttlicher Gnade für alle. Dabei unterschied der Referent, Prof. Dr. Ottmar Fuchs (Tübingen/Bamberg), zwischen der ständig fliessenden göttlichen Gnade und ihren erfahrbaren Zeichen.

Erst wenn sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche dieser sich ständig anbietenden Gnade bewusst werden, sich von ihr berühren lassen und sie annehmen, strahlen sie selbst einen Teil dieser Gnade aus und berühren andere. Sie steht im Widerspruch zu lieblosen und ausgrenzenden Regelungen, zu Konkurrenzdenken, Eitelkeiten, usw.

Schmerzlich mussten der Referent und wohl auch alle Anwesenden bekennen, dass die Kirche trotz vieler guter Ansätze noch einiges anzugehen, dazuzulernen und vorwärtszugehen hat. Im regen Austausch unter den Seelsorgern fanden dazu intensive Gespräche statt.

Spannend und herausfordernd war die Unterscheidung des Referenten zwischen dem ‘Unerlaubten’, aber dennoch ‘Gültigen’. Dazu nahm er Jesus als Beispiel, der am Sabbat geheilt hat und einen anderen dazu ermutigte, seine Bahre zu tragen und zu gehen. Dies tat er allen Verboten zum Trotz und – um zum Anfang zurückzukommen – unter der Wirkkraft göttlicher Gnade. Sie ist Ausdruck der göttlichen Barmherzigkeit. Sie wiegt mehr als Gesetz. Die Kirche sollte in mancher Hinsicht noch mutiger werden, einige ihrer Gesetze, die von Menschen gemacht sind, zu brechen, damit die göttliche Gnade durch sie ungebremst die vielen Seelen erreichen kann.

Mathias Ress-Nef