Seelsorgeeinheit

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“1 Petr 2,5

Eine Zeit des Segens

Mit den Monaten Januar und Februar sind im christlichen Gottesdienst und Brauchtum zahlreiche Segnungen verbunden: Um den Dreikönigstag bringen vielerorts die Sternsinger den Segen in die Häuser und Wohnungen. An Mariä Lichtmess (2. Februar) werden die Kerzen geweiht, die im Laufe des Jahres beim Gottesdienst oder zu Hause verwendet werden. Am 3. Februar empfangen wir in der katholischen Kirche den Blasiussegen, der uns vor Halskrankheiten bewahren soll, am Fest der heiligen Agatha (5. Februar) wird mancherorts Brot gesegnet.
Segensworte, das Segnen – ein Erbe früherer Zeiten? Passen sie noch in unsere moderne Zeit des technisch Planbaren und Machbaren? Aber: Fühlen wir uns geborgen in unserer technisierten, durchorganisierten Welt? Tragen uns Naturwissenschaft und Technik in den Dunkelheiten, bei Abschieden, Verlusten, Angst?
Glück und Segen zu wünschen, wenn ein Kind geboren wird, zum Jahresbeginn, zum Geburtstag, zu Weihnachten und Ostern, damit haben wir kaum Schwierigkeiten. Jeder Mensch kann segnen. Die Eltern segnen ihr Kind mit einem Gutenachtkreuz oder Gutenachtkuss auf die Stirn. Die Mutter segnet die Kleinen, bevor sie sich auf den Weg in den Kindergarten oder die Schule machen.
Zum Abschied haben die Menschen früher gesagt: «Behüte dich Gott!» Heute sagen sie meist: «Tschüss!», «Tschau!», «En Schöne!» Aber wir können auch einmal diesen alten Segenswunsch aussprechen: «Bhüet di Gott», das heisst: Der Herr möge schützend seine Hand über dich halten und vor Unheil und Not bewahren.
Wir alle können Segnende werden und sein mit Worten, Gesten und Berührungen. Dazu ist eine gewisse Vertrautheit notwendig und Behutsamkeit wie bei allen Zeichen der Zuwendung und Zärtlichkeit. Denken wir daran: Das Entscheidende ist nicht, Segen zu HABEN, sondern für andere ein Segen zu SEIN.

Vor ein paar Jahren hat mir einmal ein befreundeter Ordensmann folgende Worte geschrieben:
«Ich wünsche dir,
dass du ein Mensch des Segens bist,
weil Gottes gutes Wort
über deinem Leben steht
und weil du selber andern
Gutes zusagen darfst.»
Ich möchte Ihnen diesen Wunsch gerne weitergeben. Eine gesegnete Zeit.

Pfarrer Andreas Schönenberger