Seelsorgeeinheit

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“1 Petr 2,5

Zum Geleit

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen

Auf den ersten Blick ist sie ein unbequemes Mitgeschöpf: stachelig, dann aber symbolträchtig und obendrein auch gesund: Die Distel. Bei meinen Spaziergängen in diesem Sommer ist sie mir wieder aufgefallen. – An vielen Stellen im Alten und Neuen Testament werden Disteln erwähnt. Die Disteln wie die Dornen – oft werden Dornen und Disteln zusammen genannt – sind Zeichen für Verwildertes und dem Leben unbequem Entgegenstehendes (z.B. Gen 3, 17-18).
Dabei sind Disteln mehr ein Sammelbegriff für krautige Gewächse, die entsprechende ‚Schutzeinrichtungen‘ haben. Sie werden nicht im Einzelnen durchbuchstabiert. Die tradierte Symbolsprache mag sich aus der menschlichen Erfahrung der Schmerzen herleiten, die realistisch ist, wenn man z.B. mit nackten Beinen in ein Distelfeld gerät. – Andererseits ist die Heilkraft dieser Pflanzen bekannt: „Schon die heilkundige Äbtissin Hildegard von Bingen wendete Mariendisteln bei ‚Stechen im Herzen und anderen Organen des Körpers‘ an. Die moderne Wissenschaft hat diese Indikation bestätigt.“ siehe: www.kraeuterweisheiten.de/disteln.html. Sie wird insbesondere zur Stabilisierung der Leber bzw. bei Leberschädigungen angewandt. Schliesslich lassen sich die Widrigkeiten des Lebens nach Jesu Art besonders durch die Kraft der Liebe und des Vertrauens überwinden, was sich im Glauben an die Auferstehung Jesu Bahn bricht. Der, der Dornenkrone trug, begegnet beispielsweise im Ostergarten Maria Magdalena – eine Art „sicherer Ort“, in der Neues Leben auf sie zukommt.
Aus der Perspektive der Distel betrachtet: Sie hat einen Schutzraum für das gesunde Leben eingerichtet, das in ihr lebt. Das wertvolle Innere, das sie ausmacht, lässt sie nicht von Aussen anfeinden. Sie zeigt durch ihre Stacheln ihren Eigenschutz, der Respekt gegenüber ihrer ‚anderen Schönheit‘ hervorruft. Mit der Distel gesprochen: „Seid dir deines Wertes bewusst und bewahr dir deinen Lebensraum.“
Seien Sie beschützt, denn Sie sind wertvoll in Gottes Augen – alle in Gottes Garten, so verschieden seine Gewächse auch sind.

Andreas Barth