Seelsorgeeinheit

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“1 Petr 2,5

Geschätzte Leserinnen und Leser

«Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.»

So lesen wir es im Gedicht «Herbsttag» von Rainer Maria Rilke. Er beschreibt den Beginn der dunkleren Jahreszeiten, auf die wir gerade zugehen. Und nicht alle sind in diesen Zeiten positiv gestimmt. Wir sprechen von Herbstblues, von den grauen Tagen, wenn es draussen «Chatze hudlet». Und natürlich ändern sich unser Tagesablauf nach dem «grossen Sommer», die Zeiten der Freibäder sind vorbei, unser Lebensgefühl wandelt sich. Aber es gewinnt andere Qualitäten. Wir haben an Arbeitstagen nicht mehr das Gefühl, draussen was zu verpassen. Die Schüler und Schülerinnen freuen sich vielleicht darauf, in den Herbstferien schlafen zu dürfen, bis die Sonne die Hochnebel vertrieben hat, und vor die Tür zu treten, um die klare Herbstluft zu geniessen. Die Churfirsten sind nie besser zu sehen als an dieser Zeit. Die Toggenburger Mischwälder färben sich langsam gelb-rot-braun, ein Ereignis, das ich zum ersten Mal selbst betrachten darf. In den USA kennt man das Phänomen des «Indian Summer», ein Ereignis, bei dem im sonst kalten Norden durch einen warmen und trockenen Herbst die Blätter besonders intensiv gefärbt sind. Dank des recht milden Klimas im Toggenburg haben wir ein solches Phänomen hier praktisch jedes Jahr. Geniessen wir es – es ist Zeit! Die Zeit zum Skifahren kommt noch früh genug.

«Ziehst im Nebelflor daher,
Such’ ich dich im Wolkenmeer»

Spricht der Schweizerpsalm voll Sehnsucht auf der Suche nach Gott. Gehen wir doch auch in diesem Herbst auf die Suche nach ihm in seiner wunderbaren Schöpfung, im grossen Zyklus der Jahreszeiten. Auch wenn es mal trüb und grau ist – Gott begleitet uns in diesen Tagen, er ist da, auch wenn seine Schöpfung im Trüben liegt.

Seelsorger Alexander Michel